KBV
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist die Dachorganisation der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen und erstellt die verbindlichen FHIR-Profile für digitale Arztformulare wie E-Rezept und eAU.
Erklärt für Einsteiger
Stell dir vor, alle Arztpraxen in Deutschland müssen Rezepte auf eine bestimmte Weise ausfüllen, damit Apotheken und Krankenkassen sie lesen können. Die KBV ist die Organisation, die diese Vorgaben festlegt. In der digitalen Welt heißt das: Die KBV schreibt vor, wie ein elektronisches Rezept oder eine Krankschreibung technisch aufgebaut sein muss, damit alle Computersysteme im Gesundheitswesen die Daten verstehen.
Überblick
Die KBV ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und Teil der ärztlichen Selbstverwaltung im System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Sie ist die bundesweite Interessenvertretung der rund 180.000 niedergelassenen Vertragsärztinnen und -ärzte sowie Vertragspsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten.
Zu den Kernaufgaben gehören:
- Sicherstellung der flächendeckenden ambulanten medizinischen Versorgung (Sicherstellungsauftrag)
- Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzteschaft gegenüber den Krankenkassen
- Verhandlung der Vergütung vertragsärztlicher Leistungen
- Standardisierung der Schnittstellen für Praxisverwaltungssysteme (PVS)
Im Kontext der Digitalisierung ist die KBV als Herausgeberin verbindlicher technischer Standards besonders relevant. Das Bundesgesundheitsministerium beauftragt die KBV, Schnittstellen nach § 291d SGB-V festzulegen. Diese Schnittstellen bestimmen, wie Arztpraxissoftware mit der Telematikinfrastruktur kommuniziert.
Technische Details
KBV-FHIR-Profile
Die KBV veröffentlicht ihre FHIR-Implementierungsleitfäden auf dem FHIR-Simplifier unter fhir.kbv.de (Weiterleitung zu simplifier.net). Die wichtigsten Pakete sind:
kbv.basis: Basisprofile, auf denen alle weiteren KBV-Profile aufbauen. Enthält angepasste Definitionen für gängige FHIR-Ressourcen (z.B. KBV_PR_Base_Patient).kbv.ita.erp: FHIR-Profile für das E-Rezept (Electronic Prescription). Definiert KBV_PR_ERP_Prescription (Verordnung), KBV_PR_ERP_Medication (Medikament), KBV_PR_ERP_PractitionerRole.kbv.ita.eau: FHIR-Profile für die eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung).kbv.all.st: Terminologiepaket mit Codesystemen und Valuesets für alle KBV-Anwendungen.
MIOs (Medizinische Informationsobjekte)
Gemeinsam mit der gematik und der Kassenärztlichen Vereinigung entwickelt die KBV sogenannte MIOs (Medizinische Informationsobjekte). MIOs sind standardisierte FHIR-Profile für spezifische klinische Dokumente, z.B.:
- Impfpass
- Mutterpass
- Kinderuntersuchungsheft
- Zahnbonusheft
MIOs werden in der ePA gespeichert und ermöglichen es, klinische Daten zwischen verschiedenen Systemen austauschbar zu machen.
Verhältnis zu gematik-Profilen
Es gibt eine Arbeitsteilung zwischen KBV und gematik:
- Die KBV definiert Profile für den verordnenden Bereich (was Ärzte ausstellen)
- Die gematik definiert Profile für den infrastrukturellen Bereich (wie Daten in der TI transportiert und verarbeitet werden)
Beim E-Rezept zum Beispiel: Die KBV legt fest, wie die Verordnung (das Rezept) strukturiert ist. Die gematik legt fest, wie dieses Rezept im E-Rezept-Fachdienst übertragen und gespeichert wird.
Schnittstellen für Praxisverwaltungssysteme
Nach § 291d SGB V ist die KBV verpflichtet, Schnittstellen für Praxisverwaltungssysteme zu definieren. Diese Schnittstellen werden als KBV_ITA-Dokumente veröffentlicht und sind für alle PVS-Hersteller verbindlich. Sie beschreiben unter anderem das Format der eAU, des E-Rezept und digitaler Formulare.
Verknüpfungen
- FHIR (Standard, für den die KBV verbindliche deutsche Profile erstellt)
- E-Rezept (KBV-FHIR-Profile definieren das Verordnungsformat)
- eAU (KBV-Vorgaben für die elektronische Krankschreibung)
- gematik (Partnerorganisation; Gesellschafterin der gematik; gemeinsame Standardisierung)
- Telematikinfrastruktur (Infrastruktur, für die KBV-Standards gelten)
- ePA (MIOs als FHIR-Dokumente in der Patientenakte)