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GDT (Gerätedatentransfer) ist ein Dateiformat der xDT-Familie, das den standardisierten Datenaustausch zwischen Praxisverwaltungssystemen und medizinischen Geräten (EKG, Spirometer, Ultraschall, Blutdruckmessgerät) in ambulanten Praxen regelt.
Erklärt für Einsteiger
Wenn der Arzt am EKG-Gerät auf “Messung starten” drückt, muss das Gerät wissen: Wer ist der Patient? Und wenn die Messung fertig ist, soll das Ergebnis automatisch in der Patientenakte landen. GDT ist der Standard, der das ermöglicht. Das Praxissystem schreibt eine kleine Datei mit den Patientendaten, das Gerät liest sie, führt die Messung durch und schreibt eine Ergebnisdatei zurück. Das Praxissystem liest diese Datei und speichert das Ergebnis. Alles ohne manuelles Abtippen.
Überblick
GDT wurde von der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) in Zusammenarbeit mit dem Qualitätsring Medizinische Software (QMS) entwickelt und ist seit den 1990er Jahren Standard für die Gerätekommunikation in deutschen Arztpraxen.
Die aktuelle Version ist GDT 3.1, die Mitte der 2010er Jahre verabschiedet wurde. Sie unterstützt neben numerischen Messwerten auch PDF- und Bildanhänge, was ältere Versionen (GDT 2.x) nicht konnten.
GDT ist trotz seines Alters noch weit verbreitet. Praktisch alle Praxisverwaltungssysteme unterstützen GDT, und die meisten Hersteller von ambulanten Medizingeräten bieten GDT-Schnittstellen an. Die KBV-Datenbank der GDT-zertifizierten Geräte umfasst Tausende von Produkten.
GDT ist Teil der xDT-Familie und teilt deren zeilenbasiertes Textformat. Es ist eine parallele Entwicklung zu KVDT (Abrechnung), LDT (Laborbefunde) und BDT (Behandlungsdatenübergabe).
Interesse compliance
GDT ist kein gesetzlicher Pflichtstandard, aber faktisch Marktstandard. Praxissoftware (PVS) muss GDT unterstützen, um KBV-zertifiziert zu sein. Geräte ohne GDT-Schnittstelle können nicht in das PVS integriert werden und erfordern manuelle Dateneingabe. Die aktuelle GDT-Spezifikation ist kostenlos über die KBV verfügbar.
Praxis-Tipp: Neues Gerät anschließen
Bevor Sie ein Medizingerät kaufen, prüfen Sie: Ist eine GDT-Schnittstelle im Lieferumfang enthalten oder kostenpflichtig? Manche Hersteller verlangen 200-500 Euro Aufpreis für das GDT-Modul.
Checkliste vor dem Kauf:
KBV-Geräteliste prüfen: Ist das Gerät GDT-zertifiziert? (Liste unter update.kbv.de)
Ihr PVS-Anbieter fragen: Welche GDT-Version wird unterstützt? (2.1 oder 3.x?)
Freischaltkosten klären: Manche PVS verlangen 80-400 Euro für das GDT-Modul.
Einrichtungsaufwand einplanen: ca. 1-2 Stunden für Konfiguration und Testlauf.
Häufiger Fehler: Import- und Export-Verzeichnis im PVS und Gerät sind nicht identisch. Lösung: Beide Seiten auf denselben Netzwerkpfad zeigen lassen.
Technische Details
Kommunikationsablauf
GDT arbeitet nach dem Request-Response-Prinzip mit Dateien:
Das PVS erzeugt eine GDT-Auftragsdatei (Satztyp 6301 “Auftragsanforderung”) mit Patientenstammdaten und dem angeforderten Untersuchungstyp.
Das Gerät liest die Auftragsdatei aus einem konfigurierten Verzeichnis (GDT-Import-Ordner).
Das Gerät führt die Untersuchung durch.
Das Gerät erzeugt eine GDT-Ergebnisdatei (Satztyp 6302 “Untersuchungsergebnis”) und legt sie in das GDT-Export-Verzeichnis.
Das PVS liest die Ergebnisdatei und importiert die Werte in die Patientenakte.
Die Kommunikation erfolgt asynchron über das Dateisystem. Es gibt keine direkte Netzwerkverbindung zwischen PVS und Gerät im GDT-Standard selbst; ein gemeinsam zugängliches Verzeichnis (Shared Folder, lokales Laufwerk oder Netzwerkpfad) ist ausreichend.
Dateiformat
GDT-Dateien sind textbasierte, zeilenstrukturierte Dateien. Jede Zeile folgt dem Schema:
LLLFFFFContent
Dabei ist:
LLL die dreistellige Gesamtlänge der Zeile (inklusive Feldnummer und Zeilenende \r\n)
FFFF die vierstellige Feldnummer
Content der Inhalt des Feldes
Beispiel einer minimalen GDT-Auftragsdatei (Satztyp 6301):
GDT 3.1 führt die Möglichkeit ein, Binärdaten (PDFs, EKG-Kurven, Bilder) als Base64-kodierte Anhänge in die GDT-Datei einzubetten. Feldnummer 6303 enthält das Anhangformat (z.B. PDF, BMP), Feldnummer 6302 den Base64-kodierten Inhalt. Ältere GDT-Versionen (2.x) konnten nur strukturierte Messwerte übertragen.
Integration in den PVS-Workflow
In der Praxissoftware ist GDT typischerweise über eine Geräteverwaltung konfiguriert. Für jedes angeschlossene Gerät wird festgelegt:
Pfad für Import- und Export-Verzeichnisse
Gerätetyp (EKG, Spirometer, Ultraschall usw.)
Polling-Intervall (wie oft das PVS nach neuen Ergebnisdateien prüft)
Feldmapping (welche GDT-Felder in welche PVS-Felder übernommen werden)
Praxis-Tipp: GDT-Verbindung testen
Nach der Einrichtung immer einen Testlauf durchführen, bevor das erste echte Patientendatum übertragen wird.
Testschritte:
Testpatienten im PVS anlegen (Name: “GDT Test”, Geburtsdatum: beliebig).
Untersuchungsauftrag aus dem PVS an das Gerät schicken.
Prüfen: Hat das Gerät die Patientendaten korrekt übernommen? Umlaute (ä, ö, ü) korrekt?
Testmessung am Gerät durchführen und Ergebnis zurückschicken.
Prüfen: Erscheint das Ergebnis automatisch in der Patientenakte?
Häufiger Fehler: Umlaute erscheinen als Fragezeichen oder Zeichensalat. Ursache: Das Gerät erwartet Windows-1252-Kodierung, nicht UTF-8. Ihr PVS-Anbieter oder der Gerätehersteller kann die Kodierung korrigieren.
Interesse technik
GDT-Testdateien und Spezifikationen: QMS GDT-Schnittstelle (ab Version 3.5). Feldnummernliste und Satzaufbau sind in der Spezifikation vollständig dokumentiert. Für Hersteller bietet die KBV ein GDT-Prüfprogramm an. Hinweis: GDT-Dateien müssen in Windows-1252-Kodierung (Latin-1) geschrieben werden, nicht UTF-8. Umlaute und ß müssen daher als Windows-1252-Bytes vorliegen. Ein häufiger Implementierungsfehler ist die versehentliche UTF-8-Kodierung, die zu Anzeigefehlern für deutsche Sonderzeichen führt.
GDT hat keinen festgelegten Ablösezeitpunkt. Die KBV hat bislang keinen offiziellen Migrationspfad von GDT auf FHIR veröffentlicht. Im Rahmen der HDDT-Initiative (Health Device Data Transfer, § 374a SGB V) soll ein FHIR-basierter Standard für die Gerätedatenübertragung an DiGA und die ePA entwickelt werden. HDDT und GDT haben jedoch unterschiedliche Anwendungsfälle: HDDT für mobile Geräte und Heimmonitoring, GDT für stationäre Praxisgeräte.
Interesse business
GDT-Schnittstellen sind ein relevanter Kaufentscheidungsfaktor für Praxissoftware und Medizingeräte. Die KBV-Datenbank listet GDT-zertifizierte Geräte; eine Listung gilt als Gütemerkmal. Hersteller von Integrationsplattformen zwischen GDT und FHIR (für HDDT-Migration) adressieren einen wachsenden Nischenmarkt.