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E-Rezept-Fachdienst

Der E-Rezept-Fachdienst ist der zentrale FHIR-basierte Backend-Dienst der gematik, der alle elektronischen Rezepte speichert, verwaltet und zwischen Verordnern, Apotheken, Krankenkassen und Patienten vermittelt.

Erklärt für Einsteiger

Wenn ein Arzt ein E-Rezept ausstellt, geht es nicht direkt an die Apotheke. Es landet zuerst in einem zentralen System, dem E-Rezept-Fachdienst. Von dort kann es die Apotheke abholen, wenn der Patient den QR-Code oder Token vorzeigt. Der Fachdienst ist wie ein digitales Postfach: Der Arzt legt das Rezept hinein, die Apotheke holt es heraus, und beide wissen immer, welchen Status das Rezept hat.

Überblick

Der E-Rezept-Fachdienst wird seit dem verpflichtenden Pflichtstart des E-Rezepts am 1. Januar 2024 flächendeckend genutzt. Er wird von der gematik betrieben und nach den Vorgaben der gematik-Spezifikation gemSpec_FD_eRp entwickelt und zertifiziert.

Der Fachdienst unterstützt alle Rezepttypen, die im deutschen Gesundheitswesen per E-Rezept abgewickelt werden:

  • Kassenrezepte (Muster 16): Verschreibungspflichtige Arzneimittel für GKV-Versicherte
  • Privatrezepte: Verordnungen außerhalb des GKV-Leistungskatalogs
  • DiGA-Rezepte: Digitale Gesundheitsanwendungen (seit Oktober 2025)
  • Hilfsmittelverordnungen: Pflicht ab 1. Juli 2026
  • Heilmittelverordnungen: Pflicht ab 1. Januar 2027
  • T-Rezepte (Thalidomid, Lenalidomid, Pomalidomid): Spezifikation veröffentlicht, Einführung 2026 geplant

Bis zum 17. Oktober 2025 wurden bereits eine Milliarde E-Rezepte über den Fachdienst eingelöst.

Interesse compliance

PVS-Hersteller, AVS-Hersteller und andere Primärsystem-Hersteller benötigen eine gematik-Zulassung, um auf den E-Rezept-Fachdienst zugreifen zu dürfen. Die Zulassung setzt Konformitätsprüfungen gegen die FHIR-Profile und Schnittstellentests voraus. Stand März 2026 haben über 1.100 Primärsysteme die Konformitätsbestätigung erhalten. Neue Rezepttypen (T-Rezept, Hilfsmittel) erfordern separate Zertifizierungszyklen.

Technische Details

Architektur

Der E-Rezept-Fachdienst ist ein FHIR-Server, der als TI-Fachdienst innerhalb der Telematikinfrastruktur betrieben wird. Er ist nur aus der TI erreichbar (nicht direkt aus dem öffentlichen Internet). Primärsysteme greifen über die TI-Verbindung (Konnektoren oder TI-Gateway) auf den Fachdienst zu.

Die interne Verarbeitung läuft in einer Vertrauenswürdigen Ausführungsumgebung (VAU): Rezeptdaten werden innerhalb der VAU entschlüsselt und verarbeitet, sodass der Fachdienst-Betreiber keinen Klartextzugriff auf Rezeptinhalte hat.

FHIR-Endpunkte

Der Fachdienst stellt REST-Endpunkte nach FHIR R4 bereit. Die Basis-URL lautet:

https://erp.zentral.erp.splitdns.ti-dienste.de/

Zentrale Endpunkte:

EndpunktMethodeFunktion
/TaskPOSTNeues Rezept erstellen (Verordner)
/Task/{id}/$activatePOSTRezept aktivieren (Apotheke)
/Task/{id}/$acceptPOSTRezept annehmen (Apotheke)
/Task/{id}/$closePOSTRezept dispensieren (Apotheke)
/Task/{id}/$abortPOSTRezept stornieren
/MedicationDispenseGETDispensierdaten abfragen
/CommunicationPOST/GETNachrichten zwischen Akteuren

Interesse technik

Alle Anfragen an den E-Rezept-Fachdienst müssen mit einem gültigen IDP-Token (ACCESS_TOKEN, Scope e-rezept) authentifiziert sein. Der Workflow für Verordner (PVS) läuft so ab: (1) IDP-Token holen, (2) Task erstellen via POST /Task, (3) FHIR-Bundle mit KBV-Profil signieren (QES via HBA), (4) Task aktivieren. Für Apotheken (AVS): (1) Token holen, (2) Task akzeptieren via close. Vollständige Dokumentation: github.com/gematik/api-erp. FHIR-Profile: simplifier.net/erezept.

Datenformate

Rezepte werden als FHIR-Bundle nach dem KBV-Profil KBV_PR_ERP_Bundle gespeichert. Das Bundle enthält:

  • KBV_PR_ERP_Prescription: Die eigentliche Verordnung (Medikament, Dosierung, Indikation)
  • KBV_PR_FOR_Patient: Patientenstammdaten
  • KBV_PR_FOR_Practitioner: Verordnerdaten
  • KBV_PR_FOR_Coverage: Kostenträgerdaten

Das Bundle wird mit einer qualifizierten elektronischen Signatur (QES) des HBA signiert. Die Signatur stellt die Rechtsgültigkeit der Verordnung sicher.

Token-System

Der Fachdienst verwaltet Rezepte über das Task-Konzept. Jeder Task hat:

  • Eine eindeutige Task-ID (36-stellige UUID)
  • Einen AccessCode (geheimer Code, den der Patient erhält)
  • Einen Secret (nur für die Apotheke nach $accept sichtbar)

Patient und Arztpraxis erhalten den AccessCode, der in Form eines DataMatrix-Codes (oder QR-Codes) ausgedruckt oder in der E-Rezept-App gespeichert wird. Die Apotheke scannt diesen Code und kann damit den Task akzeptieren.

ePA-Integration

Seit Januar 2025 übermittelt der E-Rezept-Fachdienst Dispensierdaten automatisch an die Elektronische Medikationsliste (eML) in der ePA der Versicherten. Dieser Prozess läuft serverseitig ohne Zutun des Patienten oder der Apotheke.

Testumgebungen

Die gematik betreibt mehrere Testumgebungen für den E-Rezept-Fachdienst:

  • RU (Referenzumgebung): Für Zulassungstests neuer Primärsystemversionen
  • TU (Testumgebung): Für Integrationstests von Herstellern
  • PU (Produktionsumgebung): Produktivbetrieb

Weitere Details zu den Testumgebungen: Testumgebung.

Verknüpfungen

  • E-Rezept (Anwendung, für die der Fachdienst die Backend-Infrastruktur bildet)
  • FHIR (Datenformat des Fachdienstes)
  • KBV (definiert die FHIR-Profile für Rezepte)
  • IDP (stellt Authentifizierungstoken für Fachdienst-Zugriffe aus)
  • HBA (für die QES-Signatur der Verordnung)
  • SMC-B (Einrichtungsauthentisierung beim Fachdienst-Zugriff)
  • VAU (Vertrauenswürdige Ausführungsumgebung des Fachdienstes)
  • ePA (empfängt Dispensierdaten vom E-Rezept-Fachdienst)
  • eML (Medikationsliste in der ePA, gespeist durch Fachdienst-Daten)
  • AVS (Apothekenverwaltungssysteme, die auf den Fachdienst zugreifen)
  • PVS (Praxisverwaltungssysteme, die Rezepte an den Fachdienst senden)
  • Testumgebung (RU/TU/PU für Entwicklung und Zulassung)

Quellen