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xDT ist der Sammelbegriff für eine Familie älterer deutscher Datenaustauschformate im ambulanten Gesundheitswesen: KVDT, GDT, LDT und BDT.
Erklärt für Einsteiger
Lange bevor es FHIR und moderne Webschnittstellen gab, mussten Arztpraxissysteme, Labore und Abrechnungsstellen Daten austauschen. Dafür entwickelten die Kassenärztlichen Vereinigungen eigene Formate mit strengen Regeln: jedes Feld hat eine feste Nummer, jede Zeile eine feste Struktur. Das ist wie ein sehr alter Datei-Standard, bei dem man genau wissen muss, in welchem “Fach” welche Information steckt. Diese Formate heißen gemeinsam xDT. Viele Praxissysteme nutzen sie noch heute, weil die Umstellung auf modernere Standards Zeit kostet.
Überblick
Die xDT-Formate wurden seit den 1980er und 1990er Jahren von der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) und den Kassenärztlichen Vereinigungen entwickelt und standardisiert. Sie dienten als technische Basis für den elektronischen Datenaustausch im ambulanten Sektor, lange bevor internationale Standards wie HL7 oder FHIR im deutschen Markt verbreitet waren.
Trotz ihres Alters sind xDT-Formate noch weit verbreitet: Viele PVS (Praxisverwaltungssysteme) unterstützen sie als primäre Schnittstelle zu Laborgeräten und Abrechnungssystemen.
Interesse compliance
Für die GKV-Abrechnung ist KVDT (Teil der xDT-Familie) Pflicht. Alle zugelassenen PVS-Systeme müssen die aktuelle KVDT-Spezifikation umsetzen. GDT-Schnittstellen sind de-facto-Standard für die Anbindung medizinischer Geräte. Ohne GDT-Schnittstelle können viele Geräte (EKG, Spirometer, Blutdruckmessgeräte) nicht in das PVS integriert werden.
Übermittlung von Laborbefunden vom Labor an die Arztpraxis
BDT
Behandlungsdatenträger
Übertragung von Behandlungsdaten zwischen Praxen (z.B. bei Praxisübergabe)
Technische Details
Aufbau und Format
xDT-Dateien sind textbasierte, zeilenstrukturierte Dateien. Jede Zeile folgt dem Schema:
LängeFeldnummerInhalt
Zum Beispiel:
0148000Max Mustermann
Dabei ist:
014 die Länge der Zeile (3 Stellen, inklusive Feldnummer und Zeilenende)
8000 die Feldnummer (4 Stellen)
Max Mustermann der Inhalt
Die Feldnummern sind in der jeweiligen xDT-Spezifikation definiert und beschreiben den semantischen Inhalt (z.B. Patientenname, Geburtsdatum, Diagnose). Das Format ist nicht selbstbeschreibend: Ohne die Spezifikation ist eine Datei nicht interpretierbar.
GDT im Detail
GDT ist die bekannteste xDT-Variante und wird bis heute aktiv genutzt. Es verbindet Arztpraxissysteme mit Medizingeräten:
Das PVS sendet eine GDT-Datei mit Patientenstammdaten an das Gerät (z.B. EKG, Spirometer, Ultraschall).
Das Gerät führt die Messung durch und erzeugt eine GDT-Antwortdatei mit den Messergebnissen.
Das PVS liest die Antwortdatei und übernimmt die Werte in die Patientenakte.
Die aktuelle GDT-Version ist GDT 3.1, die Mitte der 2010er Jahre vom Qualitätsring Medizinische Software (QMS) standardisiert und von der KBV verabschiedet wurde. GDT 3.1 unterstützt auch den Austausch von Bild- und PDF-Anhängen.
Praxis-Tipp: GDT-Schnittstelle bei neuen Geräten prüfen
Kaufen Sie ein neues Medizingerät (EKG, Spirometer, Ultraschall, Blutdruckmessgerät)? Dann prüfen Sie vor dem Kauf die GDT-Kompatibilität.
Checkliste vor dem Gerätekauf:
Unterstützt das Gerät GDT 3.1? (Wichtig: Nicht GDT 2.1 oder ältere Versionen, es sei denn Ihr PVS verlangt das.)
Welcher PVS-Anbieter ist freigegeben? Fragen Sie den Gerätehersteller nach der Kompatibilitätsliste für Ihr PVS.
Wer konfiguriert die GDT-Schnittstelle? Klären Sie im Vorfeld, ob PVS-Anbieter oder IT-Dienstleister das Setup übernimmt.
Häufiger Fehler: Gerät wird geliefert, aber die GDT-Verbindung ist nicht eingerichtet. Befunde landen nicht automatisch in der Patientenakte. Zeitaufwand für die Einrichtung: ca. 1-2 Stunden durch einen IT-Dienstleister.
LDT im Detail
LDT ist der Standard für die Übermittlung von Laborbefunden. Labore senden LDT-Dateien an die beauftragenden Arztpraxen. Die aktuell verbreitete Version ist LDT 3.0, die eine reichere Struktur als Vorgängerversionen bietet und auch LOINC-Codes für Laborparameter unterstützt.
LDT-Dateien können als Einzelsatzdateien oder als Batchdateien mit mehreren Befunden geliefert werden.
KVDT und Abrechnung
KVDT ist das Format für die Quartalsabrechnung der niedergelassenen Ärzte mit der Kassenärztlichen Vereinigung (Kassenaerztliche-Vereinigung). Jede Praxis übermittelt nach Quartalsende ihre Abrechnungsdaten im KVDT-Format an die zuständige KV. Die KV prüft die Daten und überweist die Vergütung.
Migrationspfad zu FHIR
Die KBV und die gematik treiben die Ablösung der xDT-Formate durch FHIR R4 voran:
xDT-Dateien sind zeilenbasierte Textdateien: Format LLLFFFFContent (3-stellige Länge + 4-stellige Feldnummer + Inhalt). Keine XML/JSON-Struktur, kein Schema-Autodiscovery. Parser müssen gegen die KBV-Spezifikation implementiert werden. GDT-Schnittstelle in PVS läuft typischerweise über lokales Dateisystem (Shared-Folder-Modell) oder COM-Port. KVDT-Spezifikation: update.kbv.de. GDT-Spezifikation (ab Version 3.5): qms-standards.de. Migration zu FHIR: Kein KVDT-Migrationsdatum gesetzt; GDT-Migration noch in Konzeptphase.
Interesse business
Der xDT-Markt ist wartungsgetrieben: Kein Neuentwicklungsboom, aber hoher Bedarf an Interoperabilitäts-Middleware zwischen alten xDT-Geräten und neuen FHIR-Systemen. Hersteller, die FHIR-zu-GDT-Adapter oder PVS-Integrationsplattformen anbieten, profitieren von der langen Übergangsdauer. Schätzung: Die vollständige xDT-Ablösung dauert noch 10-15 Jahre.
Verknüpfungen
PVS (Praxisverwaltungssysteme; primäre Nutzer der xDT-Formate)
KBV (entwickelt und pflegt die xDT-Spezifikationen)