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Ein FHIR-Profil (auch: StructureDefinition) ist eine formale Einschränkung oder Erweiterung einer FHIR-Basisressource, die festlegt, wie diese Ressource in einem bestimmten nationalen oder organisatorischen Kontext zu verwenden ist.
Erklärt für Einsteiger
FHIR stellt fertige Bausteine für Gesundheitsdaten bereit, zum Beispiel “Patient” oder “Medikament”. Diese Bausteine sind international und sehr allgemein gehalten. Ein FHIR-Profil ist wie eine Schablone über so einem Baustein: Es schreibt vor, welche Felder ausgefüllt sein müssen, welche Codes zu verwenden sind und welche Felder in Deutschland gar nicht genutzt werden. So sprechen alle deutschen Softwaresysteme dieselbe Sprache.
Überblick
Der FHIR-Standard (HL7 FHIR R4) definiert generische Ressourcen wie Patient, Observation, MedicationRequest oder DiagnosticReport. Diese Ressourcen sind so allgemein wie möglich gehalten, damit sie weltweit einsetzbar sind.
In der deutschen Telematikinfrastruktur und im deutschen Gesundheitswesen werden diese Ressourcen durch FHIR-Profile auf den deutschen Kontext zugeschnitten. Ein Profil legt fest:
Welche Felder (Elemente) verpflichtend oder optional sind
Welche Terminologien (LOINC, SNOMED CT, ICD-10-GM, ATC) für welche Felder zu verwenden sind
Welche Extensions (Erweiterungen) zusätzliche deutsche Anforderungen abbilden
Welche Cardinalitäten (minimale und maximale Anzahl) für Elemente gelten
FHIR-Profile sind selbst FHIR-Ressourcen des Typs StructureDefinition. Sie werden in maschinenlesbarer Form veröffentlicht und in Validierungstools eingebunden.
Wer erstellt FHIR-Profile in Deutschland?
In der deutschen Gesundheits-IT erstellen verschiedene Organisationen FHIR-Profile:
gematik: Profile für TI-Anwendungen (E-Rezept, ePA, TI-Messenger, DEMIS)
KBV: Profile für vertragsärztliche Anwendungen (E-Rezept, Medikationsplan, MIO)
HL7 Deutschland: Basisprofile für den deutschen Kontext (de.basisprofil.r4)
IHE: Internationale Profile (XDS, QEDm, mXDE) für dokumentenbasierte Interoperabilität
gematik-Arbeitskreise: Profile für ISiK (Interoperabler Sicherheitsstandard im Krankenhaus)
Klinik-Integration: ISiK-Profile als gesetzliche Pflicht für Krankenhäuser
Was ISiK bedeutet: Der Interoperable Sicherheitsstandard im Krankenhaus (ISiK) ist kein freiwilliger Standard, sondern eine gesetzliche Anforderung. Krankenhäuser, die Fördermittel aus dem Krankenhauszukunftsfonds (KHZG) empfangen haben, sind verpflichtet, ISiK-bestätigte Systeme einzusetzen.
ISiK Stufe 3 (Pflicht ab Juli 2025): Die aktuell verpflichtende Stufe umfasst Module für Basisinformationen (Patient, Encounter, Condition), Dokumentenaustausch, Medikation, Vitalparameter, Labor und Terminplanung. KIS-Hersteller müssen für diese Module eine gematik-Bestätigung vorweisen. Fordern Sie diese Bestätigung von Ihrem KIS-Hersteller aktiv an.
Praktische Bedeutung für die IT-Abteilung: ISiK-konforme Schnittstellen ermöglichen es, Subsysteme (RIS, PDMS, Pflegedokumentation) über eine standardisierte FHIR-REST-API anzubinden, anstatt individuelle HL7-v2-Verbindungen zu pflegen. Das reduziert mittelfristig den Wartungsaufwand, erfordert aber zunächst eine Inventarisierung aller bestehenden Schnittstellen und eine Migrations-Roadmap.
Verzeichnisse und Veröffentlichung
Deutsche FHIR-Profile werden auf Simplifier.net veröffentlicht. Simplifier ist eine Plattform für FHIR-Profilentwicklung und -verteilung. Wichtige Simplifier-Projekte:
de.basisprofil.r4: HL7 Deutschland Basisprofile
kbv.ita.erp: KBV-Profile für das E-Rezept
de.gematik.isik-basismodul: gematik ISiK-Profile
de.abda.eRezeptAbgabedaten: ABDA-Profile für Apothekenabrechnungsdaten
kbv.mio.*: MIO-Profile der KBV
Profile sind als npm-Pakete versioniert und über die FHIR-Registry packages.simplifier.net abrufbar.
Technische Details
Aufbau einer StructureDefinition
Ein FHIR-Profil (StructureDefinition) hat diese Kernelemente:
baseDefinition: Die FHIR-Basisressource, die eingeschränkt wird
derivation: constraint (Einschränkung) oder specialization
differential: Nur die Änderungen gegenüber der Basisressource
Wichtige Profilierungsmechanismen
Slicing
Slicing teilt ein wiederholbares Element in benannte Teilmengen auf. Beispiel: Medication.code.coding kann einen PZN-Slice und einen ATC-Slice enthalten, wobei der PZN-Slice verpflichtend ist.
Extensions
Extensions fügen nicht in der Basisressource vorhandene Felder hinzu. Beispiel: KBV_EX_ERP_BVG codiert den BVG-Status eines E-Rezepts (Bundesversorgungsgesetz).
Must Support
Elemente mit mustSupport: true müssen von Implementierungen verarbeitet werden. Ein System darf Elemente ohne mustSupport ignorieren, aber mustSupport-Elemente müssen angezeigt oder weitergeleitet werden.
Validierung
FHIR-Instanzen werden gegen Profile validiert. Gängige Validierungstools:
Versionswechsel in Profilen führen zu Migrationspflichten für Hersteller. Die gematik kommuniziert Versionsübergänge über Festlegungstermine.
Klinik-Integration: Profilversionierung im KIS-Betrieb
Risiko Versionskonflikte: Wenn KIS und Subsystem (z.B. ein PDMS oder RIS) unterschiedliche ISiK-Profilversionen einsetzen, schlagen Validierungen fehl. Das passiert häufig nach KIS-Updates, wenn Subsysteme noch nicht mitgezogen haben. Planen Sie Profilversionswechsel immer als koordinierte Freigabe für alle betroffenen Systeme.
Deployment-Empfehlung: Betreiben Sie einen internen FHIR-Validierungsserver (z.B. Matchbox oder HAPI FHIR), um Integrationstests vor Systemupdates automatisiert durchführen zu können. Das ermöglicht es, Profilkonformität aller Subsysteme vor dem Go-live eines KIS-Updates zu prüfen, ohne den Produktivbetrieb zu gefährden.
Terminkalender ISiK: Die gematik veröffentlicht die Bestätigungsfristen für neue ISiK-Stufen ca. 12 Monate im Voraus auf dem Fachportal (fachportal.gematik.de). Abonnieren Sie den gematik-Newsletter oder das INA-Portal, um Versionswechsel frühzeitig in Ihre Jahresplanung aufzunehmen.
Zusammenhang mit Implementation Guides
Ein Implementation Guide (IG) bündelt mehrere FHIR-Profile, Terminologien (CodeSystems, ValueSets) und Beispiele zu einem Gesamtpaket. Beispiel: Der E-Rezept-Implementation-Guide enthält Profile für Bundle, MedicationRequest, Medication, Practitioner und weitere Ressourcen.
Verknüpfungen
FHIR (Basisstandard, den FHIR-Profile einschränken und erweitern)
MIO (KBV-Medizinische Informationsobjekte: FHIR-Profile für ePA-Dokumente)
KBV (erstellt FHIR-Profile für vertragsärztliche Anwendungen)
gematik (erstellt FHIR-Profile für TI-Anwendungen)
E-Rezept (nutzt KBV-FHIR-Profile für Verordnungen)
ePA (nutzt gematik-FHIR-Profile für Aktendokumente)
ISiK (FHIR-Profile für Krankenhausinformationssysteme)
DEMIS (FHIR-Profile für Infektionsschutzmeldungen)
HL7 (internationale Standardisierungsorganisation hinter FHIR)
IHE (erstellt internationale FHIR-Profile für Dokumenteninteroperabilität)
LOINC (Terminologie für Laborwerte in FHIR-Profilen)
SNOMED-CT (Klinische Terminologie für FHIR-Profile)
Laborbefund (strukturierter Befund als FHIR-Profil in der ePA)