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LDT (Labor-Datentransfer) ist das standardisierte Dateiformat der xDT-Familie für die elektronische Übermittlung von Laborbefunden vom Labor an die beauftragenden Arztpraxen.
Erklärt für Einsteiger
Wenn ein Arzt Blut abnimmt und ins Labor schickt, kommt irgendwann ein Befundbericht zurück. Früher kam der per Post oder Fax. Heute schickt das Labor eine LDT-Datei, die das Praxissystem direkt einliest und die Werte automatisch in die Patientenakte überträgt. Kein Abtippen, keine Übertragungsfehler. LDT ist der vereinbarte Zettelformat-Standard, der sicherstellt, dass jedes Labor und jedes Praxissystem dieselbe Sprache sprechen.
Überblick
LDT wurde von der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) zusammen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen entwickelt und gehört zur xDT-Formatfamilie. Es standardisiert die Befundkommunikation zwischen Laboren und ambulanten Arztpraxen im deutschen Gesundheitswesen.
Die aktuelle Hauptversion ist LDT 3.2.19 (Stand Mai 2025, oft kurz: LDT3). Die Version 3.x wurde Mitte der 2010er Jahre eingeführt und löst LDT 2.x ab. LDT 3 ist strukturell reicher als seine Vorgänger: Es unterstützt internationale Terminologien (LOINC für Laborparameter), mehrsprachige Kommentare und eine flexiblere Hierarchie für Befundgruppen.
Einsenderlabore (Arztpraxis sendet Probe, Labor liefert Befund per LDT)
Krankenhauslabore mit ambulanter Anbindung
Point-of-Care-Geräte in der Praxis (Schnelltests, Koagulationsgeräte)
Interesse compliance
LDT ist kein gesetzlicher Pflichtstandard, aber faktischer Marktstandard. PVS-Hersteller müssen LDT-Import für die KBV-Zertifizierung unterstützen. LIS-Hersteller implementieren LDT als Standardexport. Die aktuelle LDT-Spezifikation (Version 3.x) ist über das KBV ITA-Update-Portal unter update.kbv.de verfügbar.
Technische Details
Dateiformat
LDT-Dateien sind textbasierte, zeilenstrukturierte Dateien. Sie folgen dem gleichen Grundschema wie alle xDT-Formate:
LLLFFFFContent
Dabei ist:
LLL die dreistellige Gesamtlänge der Zeile (inklusive Zeilenende \r\n)
FFFF die vierstellige Feldnummer
Content der Feldinhalt
Encoding: Windows-1252 (Latin-1). Keine UTF-8-Kodierung.
LDT 3 unterstützt die Kodierung von Laborparametern mit LOINC-Codes (Logical Observation Identifiers Names and Codes). Feld 8402 nimmt den LOINC-Code auf. Die LOINC-Kodierung ist optional, aber empfohlen für die semantische Interoperabilität. Viele größere Labore kodieren ihre Standardparameter bereits mit LOINC.
LDT-Kommunikationsweg
Der Befundtransport erfolgt asynchron:
Das LIS erzeugt nach Befundfreigabe eine LDT-Datei.
Die Datei wird per gesicherter E-Mail (häufig KIM für TI-Labore) oder per SFTP an das Praxissystem übermittelt.
Das PVS importiert die Datei automatisch und ordnet den Befund dem Patienten zu.
Praxis-Tipp: Wenn der LDT-Import fehlschlägt
Zwei häufige Fehlerursachen und ihre Lösung:
Befund wird nicht zugeordnet: Das Labor verwendet eine andere Schreibweise des Patientennamens als Ihr PVS. Lösung: Auftragsnummer beim Einsenden immer mitgeben. Viele PVS können Befunde auch manuell nachträglich zuordnen.
Datei kommt gar nicht an: Prüfen Sie, ob Ihr Labor per KIM liefert und Ihr KIM-Postfach aktiv ist. Ältere Labore senden noch per SFTP oder E-Mail. Fragen Sie Ihr Labor, welchen Weg es nutzt.
Tipp für den Alltag: Richten Sie im PVS eine Wiedervorlage ein, wenn ein erwarteter Laborbefund nach 48 Stunden nicht eingegangen ist.
Für Laborgeräte in der Praxis selbst (Point-of-Care) erfolgt die Übertragung oft über das Dateisystem (Shared-Folder-Modell), analog zu GDT.
Abgrenzung zu GDT
LDT und GDT sind verwandte, aber unterschiedliche Standards:
Merkmal
LDT
GDT
Richtung
Labor → Praxis
Praxis ↔ Gerät
Einsatz
Laborbefunde
Gerätedaten (EKG, Spirometer)
Hierarchie
Befundstruktur mit Gruppen
Flache Satzstruktur
LOINC-Support
Ja (ab LDT 3)
Nein
Transport
E-Mail, SFTP, KIM
Dateisystem
Praxis-Tipp: Point-of-Care-Geräte in der Praxis einbinden
Haben Sie eigene Laborgeräte in der Praxis (z.B. HbA1c-Gerät, Urinanalysator, Koagulationsgerät)? Diese nutzen meist GDT, nicht LDT. Aber manche Geräte können auch LDT-Dateien erzeugen.
Checkliste für neue Praxisgeräte:
Beim Hersteller nachfragen: Welche Schnittstelle unterstützt das Gerät? (GDT, LDT, oder proprietär?)
PVS-Hersteller informieren, bevor das Gerät angeschafft wird. Nicht jedes PVS unterstützt alle Geräteschnittstellen.
Shared-Folder-Pfad im PVS konfigurieren, damit Befunde automatisch eingelesen werden.
Einrichtungsaufwand: ca. 1-2 Stunden mit dem PVS-Support.
Migrationsperspektive
Die KBV und gematik treiben die Ablösung von LDT durch FHIR-basierte Schnittstellen voran. Für die ePA sollen Laborbefunde als FHIR-Observation-Ressourcen gespeichert werden. Bestehende LDT-Implementierungen in LIS und PVS werden durch FHIR-Adapter ergänzt, nicht kurzfristig ersetzt.
Frist-Warnung: MIO Laborbefund als FHIR-Pflichtformat für die ePA
Rechtsgrundlage: § 347 SGB V (Befüllungspflicht für Leistungserbringer ab 1. Oktober 2025); KBV-Festlegung MIO Laborbefund 1.0 auf Basis von FHIR R4.
Frist: Die verbindliche Umsetzung des MIO Laborbefunds (strukturierter FHIR-Laborbefund) für LIS- und PVS-Hersteller wird voraussichtlich im Herbst 2026 durch die KBV verpflichtend festgelegt. Die Spezifikation ist bereits veröffentlicht (mio.kbv.de). Labore und PVS-Hersteller, die Laborbefunde in die ePA einstellen, müssen das MIO-Format ab dann unterstützen.
Handlungsbedarf: LIS-Hersteller und Labore sollten die KBV-Festlegung im Herbst 2026 beobachten und ihre Roadmap zur FHIR-Befundübermittlung jetzt einplanen. Praxen müssen sicherstellen, dass ihr PVS die MIO-Laborbefund-Schnittstelle zeitgerecht unterstützt. Ab dem Abrechnungsjahr 2026 drohen Honorarkürzungen von 1 % und Halbierung der TI-Pauschale bei fehlender aktiver ePA-Nutzung (§ 341 Abs. 6 SGB V).
Klinik-Integration: LDT im Krankenhaus-Labor
LIS-KIS-Kopplung im Haus: Im stationären Betrieb läuft die Befundübermittlung zwischen internem LIS und KIS typischerweise über HL7 v2 (Nachrichtentyp ORU^R01), nicht über LDT. LDT ist primär für externe Befundkommunikation relevant: an angeschlossene Einsenderpraxen, Ermächtigungsambulanzen und Kooperationspartner.
ISiK Stufe 3 (2025): Krankenhäuser müssen Laborwerte als FHIR-Observation über ISiK-konforme Schnittstellen bereitstellen (§ 373 SGB V). Das ersetzt die interne HL7-v2-Strecke nicht, ergänzt sie aber durch eine FHIR-Fassade. Prüfen Sie beim LIS-Hersteller (z.B. Swisslab, Lauris, Nexus) die Roadmap für das ISiK-Modul “Laborbefunde”.
Hochverfügbarkeit: LIS-Betrieb ist 24/7-kritisch (Notaufnahme, OP, Intensivstation). Empfehlung: redundante HL7-Interface-Engine mit Failover und Monitoring der Nachrichtenwarteschlangen.
Dev Quickstart: LDT 3 parsen und nach FHIR mappen
LDT 3 ist Windows-1252-kodiert, zeilenorientiert. Schema pro Zeile: LLLFFFFContent (3 Bytes Länge, 4 Bytes Feldnummer, Rest Inhalt).
# Minimaler LDT3-Parser (Python)with open("befund.ldt", encoding="cp1252") as f: for line in f: field = line[3:7] value = line[7:].rstrip("\r\n") if field == "8402": print(f"LOINC: {value}") # z.B. "2345-7" (Serumglukose) elif field == "8410": print(f"Wert: {value}") # z.B. "5.4" elif field == "8411": print(f"Einheit: {value}") # z.B. "mmol/l"
FHIR-Äquivalent für ePA: Observation.code.coding.system = "http://loinc.org", valueQuantity.value + valueQuantity.unit.