Mutterpass
Der elektronische Mutterpass ist ein MIO (Medizinisches Informationsobjekt), das Schwangerschaftsdaten, Vorsorgeuntersuchungen und Geburtsvorbereitungsinformationen strukturiert in der ePA speichert.
Erklärt für Einsteiger
Der gelbe Mutterpass aus Papier, den schwangere Frauen zu jedem Arzttermin mitbringen müssen, kennt fast jeder. Wenn er verloren geht oder vergessen wird, fehlen wichtige Informationen. Der elektronische Mutterpass funktioniert genauso, liegt aber sicher in der digitalen Patientenakte. Jede Ärztin, jeder Arzt und jede Hebamme, die du aufsuchst, kann mit deiner Zustimmung die bisherigen Untersuchungsergebnisse einsehen, ohne dass du einen Zettel mitbringen musst.
Überblick
Der Mutterpass ist eines der ersten MIOs, die von der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) spezifiziert wurden. Die aktuelle Version 1.1.0 ist seit dem 1. April 2022 final. Der Mutterpass bildet den gesamten Inhalt des bisherigen Papier-Mutterpasses digital ab, einschließlich aller Vorsorgeuntersuchungen, Laborbefunde, Ultraschallbefunde und der Geburtsanamnese.
Nach § 342 Abs. 2c SGB-V, eingefügt durch das DigiG (2024), müssen Krankenkassen die sogenannten Start-MIOs in der ePA unterstützen, sobald die primären IT-Systeme (Praxisverwaltungssysteme, Hebammensoftware) sie technisch verarbeiten können. Ein verbindlicher Starttermin wurde durch das BMG noch nicht festgelegt (Stand März 2026). Die praktische Implementierung in PVS und Hebammensoftware ist noch nicht flächendeckend abgeschlossen.
Inhalt des Mutterpasses
Der elektronische Mutterpass dokumentiert:
- Stammdaten der Schwangeren und Anamnese (Vorerkrankungen, Vorgeburten)
- Allgemeine und spezielle Schwangerschaftsuntersuchungen
- Laboruntersuchungen (Blutgruppe, Antikörpersuchtest, Hämoglobin, Rötelnschutz)
- Ultraschallbefunde (I., II., III. Trimester-Screening)
- Vorsorgeuntersuchungstermine mit Befundergebnissen
- Besondere Befunde und Risikokatalog
- Entbindungsanamnese und Wochenbettdaten
Beteiligte Leistungserbringer
Folgende Berufsgruppen tragen Daten in den Mutterpass ein:
- Frauenärztinnen und -ärzte (Hauptanwender)
- Hebammen und Entbindungspfleger
- Kliniken (Geburtskliniken, Perinatalzentren)
Ihre Daten im elektronischen Mutterpass
Der elektronische Mutterpass liegt sicher in Ihrer ePA. Sie können ihn über die App Ihrer Krankenkasse einsehen. Alle eingetragenen Fachleute (Ärztin, Hebamme, Klinik) sehen nur die Daten, für die Sie die Freigabe erteilt haben. Der digitale Mutterpass kann nicht verloren gehen und ist auch im Auslandsurlaub über die App zugänglich.
Technische Details
MIO-Struktur und FHIR-Profile
Der Mutterpass ist als MIO-Profil auf Basis von FHIR R4 spezifiziert. Das zentrale Datenelement ist der KBV_PR_MIO_MR_Bundle, der als einzige Ressource direkt in der ePA abgelegt wird. Er enthält alle Unterressourcen als eingebettete Einträge.
Die Spezifikation definiert folgende FHIR-Ressourcentypen:
KBV_PR_MIO_MR_Patient_Mother: Stammdaten der MutterKBV_PR_MIO_MR_Encounter_General: Allgemeine VorsorgeuntersuchungKBV_PR_MIO_MR_Observation_*: Einzelne Befunde (Labor, Ultraschall, klinische Untersuchung)KBV_PR_MIO_MR_Practitioner: Eintragende Person (Arzt, Hebamme)KBV_PR_MIO_MR_Organization: Einrichtung
Entwickler-Referenz
FHIR-Profile: mio.kbv.de – Mutterpass 1.1.0. Zentrales Bundle:
KBV_PR_MIO_MR_Bundle. Basis: FHIR R4. Terminologien: SNOMED-CT, LOINC, KBV-eigene CodeSystems. Das Bundle wird über die ePA-Schnittstelle der gematik abgelegt (FHIRPUTauf den Dokumentendienst).
Integration in die ePA
Das Mutterpass-Bundle wird über den ePA-Dokumentendienst gespeichert und über einen XDS-Metadatensatz registriert. Die technische Ablage erfolgt identisch wie bei anderen MIOs: als FHIR-Bundle mit zugehörigem XDS-Metadatenset (Dokumentenklasse, Dokumententyp, Erstellungsdatum).
Verknüpfungen
- MIO (Medizinisches Informationsobjekt; Mutterpass ist eines der ersten MIOs)
- ePA (Speicherort des elektronischen Mutterpasses)
- KBV (Herausgeber der Mutterpass-Spezifikation)
- FHIR (Technisches Format des MIOs)
- DigiG (§ 342 Abs. 2c SGB V: gesetzliche Grundlage für Start-MIOs)
- SGB-V (Rechtsgrundlage für MIOs in der ePA)
- eImpfpass (weiteres Start-MIO in der ePA)
- Kinderuntersuchungsheft (weiteres Start-MIO in der ePA)
- SNOMED-CT (Terminologie in der Mutterpass-Spezifikation)
- PVS (Primärsystem, das den Mutterpass befüllt und überträgt)