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MIO

Medizinische Informationsobjekte (MIOs) sind standardisierte FHIR-Profile der KBV, die definieren, in welcher einheitlichen Struktur klinische Dokumente in der ePA gespeichert werden.

Erklärt für Einsteiger

Stell dir die ePA als einen Aktenschrank vor. Damit alle Ärzte und Systeme denselben Schrank nutzen können, braucht es genaue Baupläne für jede Schublade. Ein MIO ist so ein Bauplan. Es legt fest, wie zum Beispiel ein Impfpass oder ein Mutterpass digital strukturiert sein muss: welche Felder es gibt, welche Codes verwendet werden und wie alles beschriftet ist. Mit diesen einheitlichen Plänen kann jedes Krankenhaus und jede Arztpraxis dieselben Daten verstehen, egal mit welcher Software sie arbeiten.

Überblick

Das Konzept der MIOs wurde von der KBV entwickelt. Die KBV ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung und damit die Normgeberin für Vertragsärzte in Deutschland. Die technische Umsetzung erfolgt durch die Tochtergesellschaft mio42 GmbH, die 2019 gegründet wurde und die MIO-Spezifikationen entwickelt und pflegt.

MIOs sind FHIR-basierte Profile, die bestehende internationale Ressourcen des HL7-Standards auf den deutschen Versorgungskontext zuschneiden. Sie definieren: welche Felder eines Datensatzes verpflichtend sind, welche Terminologien (z. B. SNOMED CT, LOINC, ICD-10-GM) zu verwenden sind und wie Verweise zwischen Ressourcen strukturiert werden.

MIOs werden über das öffentliche Portal mio.kbv.de veröffentlicht. Alle Spezifikationen sind frei zugänglich. Das Portal enthält auch den MIO Viewer, ein Werkzeug zur menschenlesbaren Darstellung von MIO-Instanzen im Browser.

Technische Details

Technische Grundlagen

MIOs basieren auf FHIR R4 (Fast Healthcare Interoperability Resources, Version 4). FHIR-Ressourcen werden als JSON oder XML kodiert. Jedes MIO definiert ein oder mehrere FHIR-Profile (StructureDefinition), die die Basis-FHIR-Ressourcen einschränken und erweitern.

Die verwendeten Terminologien:

  • SNOMED CT: Klinische Konzepte (Diagnosen, Prozeduren, Befunde)
  • LOINC: Laborparameter und Beobachtungen
  • ICD-10-GM: Diagnosecodierung nach deutschem Standard (BfArM pflegt die deutsche Modifikation)
  • ATC: Arzneimittelklassifikation

MIOs sind als npm-Pakete veröffentlicht und können in FHIR-Validatoren direkt eingebunden werden.

Verfügbare MIOs

Fertiggestellte MIOs

MIOVersionBeschreibung
Impfpass1.1.0Digitale Dokumentation von Impfungen, Impfreaktionen und Immunstatus
Zahnärztliches Bonusheft1.1.0Dokumentation von Prophylaxe- und Zahnbehandlungsleistungen
Mutterpass1.1.0Schwangerschaftsdokumentation gemäß Mutterschafts-Richtlinien
U-Heft1.0.1Kinderuntersuchungen (U1 bis U9) nach Kinder-Richtlinien

MIOs in Entwicklung

MIOVersionBeschreibung
KH-Entlassbrief1.0.0Arztbrief bei Krankenhausentlassung
Telemedizinisches Monitoring1.0.0Vitaldaten aus Remote-Patient-Monitoring
Überleitungsbogen1.0.0Pflegeüberleitung zwischen Einrichtungen
Patientenkurzakte1.0.0Zusammenfassung relevanter Gesundheitsdaten
DiGA Toolkit1.0.0Exportformat für DiGA-Daten (Grundlage der DiGAV Anlage 2)

Das MIO DiGA Toolkit

Das MIO DiGA Toolkit ist ein spezielles MIO für den Datenexport aus DiGA. Es ist in der DiGAV (Anlage 2) als Referenzformat für interoperable DiGA-Datenexporte vorgeschrieben. Das Toolkit definiert generische FHIR-Ressourcen, die DiGA-Hersteller für ihre spezifischen Datensätze nutzen können, ohne für jede Anwendung ein eigenes MIO entwickeln zu müssen.

Das BfArM stellt im DiGA-Antragsportal einen FHIR-Validator bereit, der die Konformität von DiGA-Exporten mit dem MIO DiGA Toolkit prüft.

Entwicklungsprozess

Jedes MIO durchläuft fünf Phasen:

  1. Initiierung: Anforderungsanalyse mit Fachexperten und Leistungserbringern
  2. Erstellung: Technische Umsetzung als FHIR-Profile durch mio42 GmbH
  3. Öffentliche Kommentierungsphase: Typisch 6 Wochen; jedermann kann Stellungnahmen einreichen
  4. Konsentierung: Stakeholder-Abstimmung zur Beseitigung offener Punkte
  5. Verabschiedung: Formale Freigabe durch den KBV-Vorstand

Einbindung in die ePA

MIOs werden als strukturierte Dokumente in der ePA gespeichert. Die ePA-Architektur sieht vor, dass Leistungserbringer MIO-konforme FHIR-Ressourcen direkt in die Patientenakte schreiben. Versicherte können die Inhalte über den MIO Viewer oder ihre Krankenkassen-App visualisieren.

Die ISiK-Spezifikation (KBV und gematik gemeinsam) greift ebenfalls auf MIO-Konzepte zurück, um einheitliche FHIR-Profile für den Datenaustausch mit Krankenhäusern zu definieren.

Verknüpfungen

  • FHIR (technischer Standard, auf dem MIOs basieren)
  • ePA (Speicherort für MIO-konforme Dokumente)
  • KBV (Herausgeber der MIO-Spezifikationen)
  • DiGA (nutzen das MIO DiGA Toolkit für Datenexporte)
  • DiGAV (schreibt MIO DiGA Toolkit als Exportformat vor)
  • ISiK (nutzt ähnliche FHIR-Profile für Krankenhäuser)
  • AMTS (elektronischer Medikationsplan als MIO in der ePA)
  • BfArM (pflegt ICD-10-GM, eine der MIO-Terminologien)

Quellen