CDA
Die Clinical Document Architecture (CDA) ist ein XML-basierter HL7-Standard für strukturierte klinische Dokumente wie Arztbriefe, Entlassberichte und Befunde.
Erklärt für Einsteiger
Wenn ein Krankenhaus einen Arztbrief in eine andere Klinik schickt, muss der Brief in einem Format sein, das das dortige System versteht. CDA ist wie ein internationales Formular für medizinische Dokumente: Es legt fest, wo Name und Geburtsdatum stehen, wie Diagnosen codiert werden und welche Abschnitte ein Dokument haben muss. Inzwischen wird CDA schrittweise durch den neueren FHIR-Standard ersetzt.
Überblick
CDA wurde von HL7 International entwickelt und ist in zwei wesentlichen Versionen erschienen. CDA Release 2 (CDA R2) ist der in Deutschland und weltweit am weitesten verbreitete Standard. Er wurde in den 2000er Jahren eingeführt und ist noch in vielen Krankenhausinformationssystemen und Praxissystemen im Einsatz.
In Deutschland hat die KBV CDA-Implementierungsleitfäden für verschiedene Dokumenttypen veröffentlicht. Für den Arztbrief (elektronischer Arztbrief, eArztbrief) gab es einen eigenen deutschen CDA-Leitfaden, der über KIM versendet wurde.
CDA-Dokumente bestehen aus zwei Teilen:
- Header: Enthält Metadaten wie Patient, Autor, Einrichtung, Datum und Dokumenttyp.
- Body: Enthält den eigentlichen Dokumentinhalt. Dieser kann als unstrukturierter Text (Level 1), als XML-Struktur mit lesbarem Text (Level 2) oder als vollständig codierter XML-Inhalt mit maschinenlesbaren Codes (Level 3) vorliegen.
Technische Details
XML-Struktur
CDA-Dokumente sind valide XML-Dokumente gegen die CDA-Schema-Definition. Die Namespace-URI ist urn:hl7-org:v3. Ein einfaches CDA-Dokument enthält:
<ClinicalDocument xmlns="urn:hl7-org:v3">
<typeId extension="POCD_HD000040" root="2.16.840.1.113883.1.3"/>
<templateId root="..."/>
<id root="..." extension="..."/>
<code code="34133-9" codeSystem="2.16.840.1.113883.6.1" displayName="Summarization of Episode Note"/>
...
</ClinicalDocument>Codes in CDA-Dokumenten stammen aus Terminologien wie ICD-10-GM, SNOMED CT, LOINC und OPS. Der Header verwendet HL7 V3 RIM-Klassen (Patient, Author, Custodian usw.).
CDA in der deutschen TI
In der deutschen Telematikinfrastruktur spielte CDA eine wichtige Rolle:
- Elektronischer Arztbrief: Arztbriefe im CDA-Format wurden über KIM zwischen Einrichtungen ausgetauscht. Der “eArztbrief Basis 2.0” (KBV-Leitfaden) definierte das Format.
- XDS-Dokumente: Im XDS-Framework (Cross-Enterprise Document Sharing) der ePA wurden CDA-Dokumente als eines der unterstützten Formate registriert.
- ePA-Übergang: Mit der Einführung der ePA für alle (ab 2025) und dem Wechsel auf FHIR R4 als primäres Format verliert CDA an Bedeutung. Die ePA akzeptiert CDA-Dokumente weiterhin im XDS-Kontext, aber neue Dienste wie der Medikationsdienst und MIOs basieren auf FHIR.
Abgrenzung CDA vs. FHIR
| Merkmal | CDA R2 | FHIR R4 |
|---|---|---|
| Format | XML (fest) | JSON oder XML |
| Granularität | Dokument-orientiert | Ressourcen-orientiert |
| Verbreitung Deutschland | Alt-Systeme, KIS | Neue TI-Dienste (ePA, E-Rezept) |
| API-Anbindung | Schwierig | RESTful API-nativ |
| Migration | CDA-Dokumente können in FHIR-DocumentReference gewrappt werden |
Migrationspfad
Die gematik und KBV empfehlen die Migration auf FHIR-basierte Formate. CDA-Dokumente können als Binary-Ressourcen in FHIR eingebettet oder per Mapping in FHIR-Strukturen überführt werden. Der HL7 Deutschland e.V. koordiniert den Migrationsprozess.
Technischer Einstieg: CDA-zu-FHIR-Migration
CDA R2-Dokumente können in FHIR als
DocumentReference(mit Binary-Anhang) gewrappt werden. Für strukturierte Umwandlung existiert das HL7-Projekt CDA-to-FHIR Mapping. Namespace der CDA-Dokumente:urn:hl7-org:v3. Für neue Implementierungen in der TI ist FHIR R4 der empfohlene Standard. KIS-Hersteller, die noch CDA-Arztbriefe erzeugen, können diese für die ePA weiterhin im XDS-Kontext registrieren. Das ISiK-Modul Dokumentenaustausch (Stufe 3) fordert FHIR-native Dokumente, akzeptiert aber auch CDA als Binary-Anhang in einerDocumentReference.
Verknüpfungen
- HL7 (übergeordneter Standard, in dem CDA eingebettet ist)
- FHIR (Nachfolger von CDA für neue Anwendungen in der TI)
- XDS (Dokumentenaustauschframework, in dem CDA-Dokumente registriert werden)
- KIS (Krankenhausinformationssystem, das CDA für Arztbriefe und Entlassberichte einsetzt)
- ePA (nutzt XDS und FHIR; CDA-Dokumente können in der ePA gespeichert werden)
- KIM (Transportweg für eArztbriefe im CDA-Format)
- KBV (hat deutsche CDA-Implementierungsleitfäden veröffentlicht)
- ICD-10-GM (Diagnosecode-System, das in CDA-Dokumenten genutzt wird)
- SNOMED CT (Terminologie für CDA-Codes)