Zum Inhalt springen

KIM - Kommunikation im Medizinwesen

KIM ist der sichere E-Mail-Dienst der Telematikinfrastruktur. Er ermöglicht den verschlüsselten Austausch von Nachrichten und medizinischen Dokumenten zwischen Leistungserbringern.

Erklärt für Einsteiger

Stell dir vor, ein Arzt will einem anderen Arzt deinen Befund schicken. Per normaler E-Mail geht das nicht, weil Gesundheitsdaten geschützt werden müssen. KIM ist wie eine spezielle, sichere E-Mail nur für das Gesundheitswesen. Alles wird verschlüsselt, und nur der richtige Empfänger kann die Nachricht lesen. So können Arztbriefe, Laborergebnisse und Krankmeldungen sicher versendet werden.

Überblick

KIM funktioniert wie E-Mail, ist aber Ende-zu-Ende-verschlüsselt und in die TI eingebunden. Jeder Teilnehmer hat eine KIM-Adresse im Format name@anbieter.kim.telematik. Es gibt 155 zertifizierte Anbieter-Organisationen.

Was wird über KIM verschickt?

  • Arztbriefe
  • Befunde und Laborergebnisse
  • eAU-Meldungen an Krankenkassen
  • Abrechnungsdaten
  • Strukturierte Daten über sogenannte Dienstkennungen (für automatische Verarbeitung)

Technische Details

Architektur

KIM besteht aus drei Komponenten:

1. Clientmodul

Das Clientmodul ist in das Primärsystem (Praxissoftware) integriert. Es verschlüsselt und signiert Nachrichten über die Schnittstellen des Konnektors.

2. KIM-Fachdienst (Mailserver)

Der KIM-Fachdienst routet verschlüsselte Nachrichten zwischen Teilnehmern. Er wird von zugelassenen Anbietern betrieben.

3. Verzeichnisdienst (VZD)

Ein LDAP-basiertes Adressbuch (VZD), in dem alle registrierten KIM-Teilnehmer gelistet sind. KIM-Adressen haben das Format name@anbieter.kim.telematik und werden über den VZD aufgelöst.

Protokoll und Verschlüsselung

  • Verschlüsselung: S/MIME mit Zertifikaten der TI-PKI
  • Signatur: Qualifizierte elektronische Signatur (QES) über Konnektor und HBA oder SMC-B
  • Maximale Nachrichtengröße: 25 MB (ab KIM 1.5: 524 MB über Large Message Service)
  • Transport: SMTP/IMAP mit TLS

Versionen

  • KIM 1.0: Einführungsversion mit S/MIME und Basisauthentisierung
  • KIM 1.5: Erweiterung der Nachrichtengröße auf 524 MB (Large Message Service), Dienstkennungen für automatisiertes Routing
  • KIM 1.5.5 (aktuell): Release KIM_1_5_5, Spezifikationsversion gemAnbT 1.6.8 / gemProdT 1.6.5 (Februar 2026)

Ablauf

  1. Absender verfasst Nachricht im Primärsystem
  2. Clientmodul verschlüsselt und signiert über den Konnektor
  3. Nachricht wird an den KIM-Fachdienst übertragen
  4. Fachdienst routet an den Empfänger-Fachdienst
  5. Empfänger-Clientmodul entschlüsselt die Nachricht

Dienstkennungen

Dienstkennungen sind strukturierte Metadaten im KIM-Header, die eine automatische Verarbeitung eingehender Nachrichten ermöglichen. Sie identifizieren den Anwendungsfall (z.B. eAU-Meldung, Arztbrief, Abrechnungsdaten) und erlauben gezieltes Routing im Primärsystem.

Verbreitung im Pflegesektor

Laut TI-Atlas 2025 (gematik / IGES Institut, veröffentlicht 24. November 2025) haben mehr als 80 Prozent der Pflegeeinrichtungen einen Heilberufsausweis beantragt. Ein Drittel der Pflegeeinrichtungen ist bereits vollständig TI-angebunden und nutzt KIM aktiv. Die Studie befragte über 6.600 Einrichtungen und 1.400 Bürgerinnen und Bürger.

Pflicht zur elektronischen Pflegeabrechnung

Ab 1. Dezember 2026 müssen alle Pflegeeinrichtungen ihre Abrechnungsdaten nach SGB XI ausschließlich über KIM übermitteln. Eine papierbasierte Übermittlung ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Voraussetzung ist die vollständige TI-Anbindung der Pflegeeinrichtung (Pflicht seit Juli 2025) einschließlich SMC-B und KIM-Client.

Verknüpfungen

Quellen