VZD - Verzeichnisdienst
Der VZD (Verzeichnisdienst) ist das zentrale Adressbuch der Telematikinfrastruktur. Er listet alle zugelassenen Teilnehmer und Einrichtungen des deutschen Gesundheitswesens mit ihren Kommunikationsadressen.
Erklärt für Einsteiger
Stell dir vor, du willst einem Arzt eine sichere Nachricht schicken, aber du kennst seine E-Mail-Adresse nicht. Der VZD ist wie das Telefonbuch des Gesundheitswesens: Dort stehen alle Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und andere Einrichtungen mit ihren Adressen. Wenn KIM eine Nachricht verschickt oder der TI-Messenger jemanden sucht, schaut das System zuerst im VZD nach, um die richtige Adresse zu finden.
Überblick
Der VZD wird von der Telematikinfrastruktur als zentraler Dienst betrieben und von der gematik spezifiziert. Er enthält Einträge für alle Teilnehmer der TI, darunter Arztpraxen, Kliniken, Apotheken, Krankenkassen und auch einzelne Heilberufler.
Der VZD hat zwei unterschiedliche technische Realisierungen, die parallel existieren:
-
LDAP-basierter VZD: Die klassische, ältere Variante. Wird von KIM genutzt, um Empfängeradressen aufzulösen. Jeder KIM-Teilnehmer ist dort mit seiner KIM-Adresse eingetragen. Mit dem Release VZD_25_2 (17. Februar 2026) wurden die SOAP-Schnittstellen und die LDAP-Administrations-Schnittstelle abgeschaltet. Die LDAP-Variante wird nach 2026 abgekündigt und nur noch begrenzt weiterentwickelt.
-
VZD-FHIR-Directory: Eine moderne, REST-basierte Variante auf Basis von FHIR. Sie wird primär vom TI-Messenger genutzt und enthält zusätzliche strukturierte Informationen über Einrichtungen und deren Dienste. Alle Anwendungen sollen schrittweise auf das FHIR-Directory migrieren.
Der VZD ist eine Pflichtkomponente: Ohne ihn können weder KIM noch der TI-Messenger Adressen auflösen oder Identitäten überprüfen.
Interesse compliance
Jede Einrichtung, die KIM nutzt, muss im VZD eingetragen sein. Der Eintrag wird automatisch durch die SMC-B-Zertifikate der Einrichtung angelegt. Einrichtungen können ihre Eintragsdetails (z.B. Öffnungszeiten, Fachdisziplinen) selbst im VZD-FHIR-Directory pflegen. Voraussetzung: Authentifizierung über OpenID Connect mit der Telematik-ID. Keine manuelle Registrierung nötig, aber Datenqualität liegt in Verantwortung der Einrichtung.
Interesse business
Der VZD ist der zentrale Verzeichnisdienst für alle rund 200.000 TI-Teilnehmer (Arztpraxen, Krankenhäuser, Apotheken, Zahnärzte, Psychotherapeuten). Als Pflichtkomponente bietet er keinen Wettbewerb auf Betreiberseite; Differenzierungspotenzial liegt bei Anwendungen, die auf VZD-Daten aufbauen (Suche, Terminbuchung, Verzeichnispflege-Tools).
Technische Details
LDAP-VZD
Der klassische VZD basiert auf dem LDAP-Protokoll (Lightweight Directory Access Protocol). Einträge folgen einem definierten Schema mit Attributen wie:
- Telematik-ID des Teilnehmers
- KIM-Adresse(n)
- X.509-Zertifikate für die Verschlüsselung
- Name und Typ der Einrichtung (Arztpraxis, Apotheke, Krankenhaus usw.)
Das Clientmodul von KIM fragt den LDAP-VZD ab, um das Verschlüsselungszertifikat des Empfängers zu laden. So kann die Nachricht schon vor dem Versand Ende-zu-Ende verschlüsselt werden.
VZD-FHIR-Directory
Das VZD-FHIR-Directory ist eine Erweiterung des klassischen Verzeichnisdienstes. Es speichert Daten in drei FHIR-Ressourcentypen:
- PractitionerDirectory: Einzelne Heilberufler (Ärzte, Zahnärzte, Apotheker). Profil über FHIR Practitioner.
- OrganizationDirectory: Einrichtungen (Praxen, Kliniken, Apotheken). Profil über FHIR Organization.
- HealthcareService: Ergänzende Dienste, die eine Einrichtung anbietet.
Die Daten des LDAP-VZD werden per Synchronisation in das FHIR-Directory übernommen. Zusätzlich können Einrichtungen eigene Einträge (FA-Attribute) selbst pflegen.
Schnittstellen und Authentisierung
Das VZD-FHIR-Directory bietet mehrere Schnittstellen:
- I_Directory_Query: Suche im Verzeichnis (LDAP und FHIR).
- I_Directory_Application_Maintenance: Verwaltung eigener Einträge durch Fachanwendungen.
- I_Directory_Administration: Backend-Administration für Synchronisation und Zertifikatsverwaltung.
- FHIRDirectoryFdvSearchAPI (
/fdv/search): Suchendpunkt für Versichertenanwendungen wie die ePA-App.
Zugriff ohne Authentisierung ist laut Spezifikation verboten. Je nach Nutzergruppe kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
- TI-Messenger-Clients: Matrix-OpenID-Token
- Einrichtungen, die eigene Daten pflegen: OpenID Connect Authorization Code Flow
- Fachdienste und Systemzugänge: OAuth 2.0 Client Credentials Flow
TI-Messenger-Integration
Der TI-Messenger nutzt das VZD-FHIR-Directory für die Kontaktsuche. Eine besondere Operation ist whereIs: Sie löst eine Matrix-ID zu einem konkreten Matrix-Homeserver auf. So kann ein Client wissen, bei welchem Anbieter eine Person registriert ist.
Versionen
Die Implementierung des VZD-FHIR-Directory wird kontinuierlich weiterentwickelt. Ab Version 1.5 unterstützt es erweiterte Selbstverwaltungsfunktionen für Einrichtungen und mehrwertige Datenfelder.
Interesse technik
REST-API (VZD-FHIR-Directory): Base-URL auf der Produktionsumgebung unter
vzd.ti-dienste.de. Suchendpunkt für Versicherten-Apps:GET /fdv/search?name=.... Alle Einträge sind als FHIR R4-Ressourcen (Organization, Practitioner, HealthcareService) abrufbar. Authentifizierung per OAuth 2.0. LDAP-Administrations-Schnittstelle wurde mit Release VZD_25_2 (17. Februar 2026) abgeschaltet. Migration auf FHIR-API ist für alle Anwendungen Pflicht. Spezifikation: gemSpec_VZD_FHIR_Directory auf gemspec.gematik.de. GitHub: gematik/api-vzd.
Verknüpfungen
- Pflichtkomponente für KIM (LDAP-Adressauflösung) und TI-Messenger (FHIR-Suche)
- Basiert auf FHIR für die moderne REST-Schnittstelle
- Authentisierung über den IDP-Dienst der TI
- Einträge enthalten Telematik-IDs aus SMC-B und HBA-Zertifikaten
- Bestandteil der Telematikinfrastruktur