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Testumgebung

Die Testumgebungen der gematik sind abgeschirmte Instanzen der Telematikinfrastruktur, die Herstellern und Entwicklern ermöglichen, TI-Komponenten zu testen, zu zertifizieren und zu integrieren, ohne den Produktionsbetrieb zu beeinträchtigen.

Erklärt für Einsteiger

Wenn Entwickler eine neue Arztpraxis-Software bauen, dürfen sie sie nicht direkt an echten Patientendaten testen. Deshalb gibt es Testumgebungen: separate Systeme, die wie die echte TI funktionieren, aber mit Testdaten. Man kann dort so viel ausprobieren wie man will, ohne etwas kaputtzumachen. Ist alles getestet und genehmigt, darf die Software ins echte System.

Überblick

Die gematik betreibt drei Umgebungen mit unterschiedlichen Zwecken:

UmgebungAbkürzungZweckZielgruppe
ReferenzumgebungRUZulassungstests, KonformitätsprüfungenHersteller, Prüflabore
TestumgebungTUIntegrationstests, Entwickler-SandboxEntwickler, Hersteller
ProduktionsumgebungPUEchtbetrieb mit echten PatientendatenAlle TI-Teilnehmer

Alle drei Umgebungen sind vollständige TI-Instanzen mit eigenen Diensten (IDP, E-Rezept-Fachdienst, ePA-Aktensystem, VZD, PKI etc.). Sie sind voneinander getrennt: Testdaten aus der RU gelangen nie in die PU.

Technische Details

Referenzumgebung (RU)

Die Referenzumgebung ist die offizielle Zulassungsplattform der gematik. Hier müssen alle TI-Komponenten und Primärsysteme ihre Konformität nachweisen, bevor sie in der PU eingesetzt werden dürfen.

Zwecke der RU:

  • Konformitätsprüfungen für neue Produktversionen
  • Interoperabilitätstests zwischen verschiedenen Herstellern
  • Tests nach gematik-Releasezyklen (z.B. neue ePA-Version, neue KIM-Version)
  • ECC-Testwochen (z.B. Februar/März 2026: ECC-Kompatibilitätstests für alle TI-Komponenten)

Zugang zur RU: nur für zugelassene Hersteller und Prüflabore nach Beantragung bei der gematik.

Testumgebung (TU)

Die Testumgebung ist eine weniger streng kontrollierte Instanz für Entwicklungs- und Integrationstests. Sie ist zugänglicher als die RU und erlaubt schnelleres iteratives Testen.

Typische Nutzung der TU:

  • Frühe Integrationstests neuer PVS-Versionen
  • Anbindung neuer Primärsystemtypen an TI-Dienste
  • Entwicklertests für neue FHIR-Profile
  • Schnittstellentests zwischen PVS und KIM-Clientmodul

Interesse technik

Für Entwickler ist die TU der erste Anlaufpunkt. Alle TI-Fachdienste (E-Rezept-Fachdienst, IDP, VZD, ePA-Aktensystem) haben TU-Instanzen mit bekannten Testendpunkten. TU-Testdaten (Testkarten, Test-eGK, Test-HBA, Test-SMC-B) werden von der gematik bereitgestellt. Einstieg: gematik Fachportal – Hersteller & Anbieter. Referenz-IDP (öffentlich zugänglich): gematik.github.io/ref-idp-server. Referenz-E-Rezept-Server: github.com/gematik/erp-servicerequest-workflow.

Produktionsumgebung (PU)

Die Produktionsumgebung ist das Live-System mit echten Patientendaten. Jede Komponente, jedes Primärsystem und jeder Dienst muss die RU-Konformitätsprüfung bestanden haben, bevor er in der PU eingesetzt werden darf.

In der PU gelten strenge Datenschutzanforderungen. Zugriffe sind über PKI-Zertifikate authentifiziert. Störungen werden im gematik-Störungsportal veröffentlicht.

Testdaten und Testkarten

Für den Test in RU und TU stellt die gematik Testkarten bereit, die wie echte TI-Karten funktionieren, aber nur in Testumgebungen akzeptiert werden:

  • Test-eGK: Simuliert eine echte eGK mit Testversichertendaten
  • Test-HBA: Erlaubt Signaturoperationen mit einer Testzertifikatskette
  • Test-SMC-B: Testet Einrichtungsauthentifizierung

Die Zertifikate der Testkarten stammen aus der TI-Test-PKI (eigene Zertifikatskette, getrennt von der PU-PKI). Test-PKI-Zertifikate werden in der PU abgelehnt.

Release-Prozess und Umgebungsversionierung

Neue TI-Versionen werden zuerst in der RU und TU deployt, bevor sie in die PU eingespielt werden. Der typische Ablauf:

  1. gematik veröffentlicht neue Spezifikation (z.B. ePA_3_1_3)
  2. Hersteller implementieren gegen die Spezifikation
  3. Tests in der TU (Entwicklungsphase)
  4. Konformitätsprüfung in der RU (Zulassungsphase)
  5. Zulassung durch gematik (Produktfreigabe)
  6. Deployment in der PU (Produktivbetrieb)

Dieser Zyklus dauert typischerweise mehrere Monate. Bei dringenden Sicherheitsupdates kann er verkürzt werden.

Parallelumgebungen für neue Standards

Bei großen Architekturänderungen wie TI 2.0 betreibt die gematik vorübergehend Parallelumgebungen. So lief VSDM 2.0 (erster TI-2.0-Dienst, Start Juni 2026) zunächst parallel zu VSDM 1.0 in der PU, bis die Migration abgeschlossen ist.

Verknüpfungen

Quellen