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XDS

IHE-Integrationsprofil für die einrichtungsübergreifende Verwaltung medizinischer Dokumente über ein zentrales Register und verteilte Ablagespeicher.

Erklärt für Einsteiger

Stell dir vor, du willst einen Arztbrief von deiner Hausärztin mit dem Krankenhaus teilen. XDS ist das System, das sicherstellt, dass jedes Krankenhaus und jede Arztpraxis Dokumente nach denselben Regeln ablegen und wieder finden kann. Es gibt ein zentrales Register, das weiß, wo welche Dokumente liegen, und separate Speicher, die die eigentlichen Dateien halten.

Überblick

XDS steht für Cross-Enterprise Document Sharing und ist ein Integrationsprofil von IHE (Integrating the Healthcare Enterprise). Es definiert, wie Gesundheitseinrichtungen medizinische Dokumente über Organisationsgrenzen hinweg speichern, registrieren und abrufen. Das Profil gehört zum IHE IT-Infrastructure (ITI) Technical Framework.

In Deutschland wird XDS als Grundlage für das Dokumentenmanagement der ePA (elektronische Patientenakte) genutzt. Die Schnittstellen der ePA basieren auf IHE-Spezifikationen, insbesondere auf dem XDS-Konzept für die Ablage und den Abruf medizinischer Dokumente. Das zugehörige Datenmodell-Dokument gemSpec_DM_ePA legt fest, welche XDS-Metadatenattribute auf Ebene von Submission Set, Document Entry und Folder zu verwenden sind.

XDS ist dokumenteninhaltsneutral: Es unterstützt beliebige Dateiformate wie FHIR-Dokumente, CDA, DICOM, PDF oder Plaintext. Die Organisation erfolgt ausschließlich über Metadaten.

Technische Details

Akteure

XDS definiert sechs Akteure mit klar abgegrenzten Rollen:

  • Document Source: Erzeugt Dokumente und lädt sie in ein Repository hoch. Liefert Dokument und Metadaten für die Registrierung.
  • Document Consumer: Stellt Anfragen an das Registry und ruft Dokumente aus dem Repository ab.
  • Document Registry: Speichert Metadaten über registrierte Dokumente als Document Entries. Beantwortet Suchanfragen und prüft Registrierungsregeln.
  • Document Repository: Speichert Dokumente dauerhaft als binäre Objekte und vergibt eindeutige Identifikatoren.
  • Patient Identity Source: Stellt autoritative Patienten-IDs und demografische Daten für die XDS-Affinity-Domain bereit.
  • Integrated Document Source/Repository: Kombiniert Document Source und Repository in einem Akteur.

Transaktionen

Die zentralen Transaktionen in XDS.b:

TransaktionKennungBeschreibung
Patient Identity FeedITI-8 (HL7v2) / ITI-44 (HL7v3)Übermittlung von Patienten-IDs
Registry Stored QueryITI-18Suchanfrage an das Registry
Provide and Register Document Set-bITI-41Hochladen von Dokument und Metadaten
Register Document Set-bITI-42Registrierung im Registry durch Repository
Retrieve Document SetITI-43Abruf von Dokumenten per eindeutiger ID

Metadatenstruktur

Das Registry verwendet ebXML-Kodierung für Metadaten. Ein Document Entry enthält unter anderem:

  • Patienten-ID
  • Dokument-Klassen-Code und Typ-Code
  • Erstellungszeitpunkt und Gültigkeitszeitraum
  • Einrichtungstyp und Fachrichtung
  • Availability Status (approved, deprecated)
  • Eindeutiger Dokument-Identifikator (UUID)

Ein Submission Set gruppiert zusammengehörige Dokumente einer Einreichung als atomare Transaktion. Folder erlauben logische Gruppierungen über mehrere Quellen hinweg.

Dokumentenlebenszyklus

Neu registrierte Dokumente erhalten den Status approved. Wird ein Dokument durch ein neues ersetzt (Replacement-Beziehung), wechselt das alte auf deprecated, bleibt aber abfragbar. Die vollständige Löschung liegt außerhalb des XDS-Transaktionsrahmens.

XDS.b vs. XDS.a

XDS.b ist die aktuelle Version und löst XDS.a ab. Wesentliche Neuerungen: MTOM/XOP für den Dateitransport, Submission-Set-Konzept, formale Dokumentenbeziehungen (Replacement, Addendum, Transformation) und Unterstützung für On-Demand Documents.

Sicherheitsanforderungen

Alle Akteure müssen mit dem IHE-Profil ATNA (Audit Trail and Node Authentication) kombiniert werden. Das Consistent-Time-Profil (CT) ist ebenfalls Pflicht für die Synchronisation der Zeitstempel.

XDS in der ePA

Die ePA-Komponenten nutzen XDS.b über SOAP-basierte Webservices. Das gematik-GitHub-Repository ePA-XDS-Document enthält die konkreten Ressourcen für den XDS Document Service. Für grenzüberschreitende Szenarien (ePA 3.x) wird die Transaktion CrossGatewayDocumentProvide verwendet.

Technischer Einstieg: XDS in der ePA

Die ePA nutzt XDS.b mit MTOM/XOP-Transport. Schlüsseltransaktionen: ITI-41 (Provide and Register Document Set-b) zum Hochladen, ITI-18 (Registry Stored Query) zur Suche, ITI-43 (Retrieve Document Set) zum Abruf. Metadaten werden im ebXML-Format kodiert. Dokumenttypen werden über LOINC-Codes identifiziert (z.B. 18842-5 für Discharge Summary). Pflichtprofil ATNA für Audit Trail. gematik-Spezifikation: gemSpec_DM_ePA (XDS-Metadaten). GitHub: gematik/ePA-XDS-Document.

Verknüpfungen

  • ePA: Nutzt XDS als Dokumentenverwaltungsstandard
  • IHE: Herausgeber des XDS-Integrationsprofils
  • FHIR: Wird in der ePA parallel zu XDS für strukturierte Daten eingesetzt
  • Telematikinfrastruktur: Technische Grundlage, in der XDS eingebettet ist
  • PKI: Sicherheitsinfrastruktur für die ATNA-Anforderungen
  • VAU: Vertrauenswürdige Ausführungsumgebung, die Dokumente in der ePA schützt

Quellen