DiPaG
Die DiPaG (Digitale Patientenrechnung) ist eine neue TI-Anwendung, die Abrechnungsrechnungen von Leistungserbringern digital über die Telematikinfrastruktur an Patienten übermittelt und die Einreichung bei Kostenträgern vereinfacht.
Erklärt für Einsteiger
Wenn du privat versichert bist oder als GKV-Versicherter Selbstzahlerleistungen in Anspruch nimmst, bekommst du heutzutage eine Papierrechnung zugeschickt. Diese musst du eintippen, scannen oder fotografieren und dann bei deiner Krankenversicherung einreichen. DiPaG ersetzt diesen Papierweg: Der Arzt schickt die Rechnung digital über ein sicheres Netz direkt an dein Smartphone oder deine digitale Akte. Du kannst sie mit einem Klick an deine Versicherung weiterleiten.
Überblick
DiPaG ist eine der neuen TI-Anwendungen in der Aufbauphase. Die Spezifikation wurde von der gematik erarbeitet und im Mai 2025 als Release DiPag_25_1 auf gemspec.gematik.de veröffentlicht. Die Einführung in den Produktivbetrieb ist für Ende 2026 geplant.
DiPaG adressiert ein konkretes Problem: Die privatärztliche und Selbstzahler-Abrechnung läuft heute überwiegend papierbasiert. Ärzte schicken Rechnungen per Post. Patienten reichen sie manuell bei PKV oder Beihilfe ein. Das kostet Zeit, führt zu Fehlern und verzögert die Erstattung.
DiPaG standardisiert diesen Prozess digital und bindet ihn in die TI ein. Damit wird die Abrechnung zwischen Leistungserbringer, Patient und Kostenträger vollständig digital.
Abgrenzung zur GKV-Abrechnung
Die GKV-Abrechnung läuft über TA1 und Apothekenrechenzentren (für Apotheken) bzw. über die Kassenärztlichen Vereinigungen (für Arztpraxen). DiPaG adressiert primär die privatärztliche Abrechnung (GOÄ/GOZ) und Selbstzahlerleistungen, bei denen eine Rechnung direkt an den Patienten geht.
Technische Details
Architektur
DiPaG besteht aus einem zentralen Fachdienst in der Telematikinfrastruktur. Die Spezifikation definiert:
- gemSpec_DiPag_FD: Spezifikation des DiPaG-Fachdienstes (Backend-Komponente)
- gemAnbT_DiPag_FD_ATV: Anbietertypsteckbrief für zugelassene Fachdienst-Betreiber
- gemProdT_DiPag_FD_PTV: Produkttypsteckbrief
Das System sieht folgende Akteure vor:
| Akteur | Rolle |
|---|---|
| Leistungserbringer (Arzt, Krankenhaus) | Erstellt und sendet die digitale Rechnung |
| Patient (Versicherter) | Empfängt und verwaltet Rechnungen, leitet sie weiter |
| Kostenträger (PKV, Beihilfestelle) | Empfängt die Rechnung vom Patienten und erstattet |
| Abrechnungsdienstleister | Kann im Auftrag des Leistungserbringers agieren |
Rechnungsformat und Standards
Digitale Rechnungen nach DiPaG sollen maschinenlesbar sein und auf etablierten Standards basieren. Für die technische Integration ist die Nutzung von FHIR-basierten Dokumentenformaten vorgesehen, die eine maschinelle Verarbeitung durch PKV-Systeme ermöglichen.
Sicherheit und Authentisierung
Wie alle TI-Anwendungen setzt DiPaG auf die Sicherheitsarchitektur der TI: Authentisierung der Leistungserbringer über SMC-B (Institutionskarte) und des Patienten über Gesundheits-ID oder eGK. Die Übertragung erfolgt verschlüsselt innerhalb der TI.
Integration mit der ePA
DiPaG ist auf Integration mit der ePA ausgelegt. Rechnungen können potenziell in der Patientenakte abgelegt werden, sodass Patienten eine vollständige digitale Dokumentation ihrer Gesundheitsausgaben haben. Details der ePA-Integration werden in nachfolgenden Spezifikationsversionen konkretisiert.
Stand der Einführung
Der Spezifikationsrelease DiPag_25_1 (22. Mai 2025) enthält die Basisspezifikation. Der Produktivstart ist für Ende 2026 geplant. Erste zugelassene Fachdienst-Betreiber werden im Laufe von 2026 erwartet. Das Zulassungsverfahren der gematik ist vergleichbar mit anderen TI-Fachdiensten.
Verknüpfungen
- gematik (entwickelt die DiPaG-Spezifikation und lässt Fachdienste zu)
- Telematikinfrastruktur (Rahmeninfrastruktur)
- ePA (Ablage von Rechnungen in der Patientenakte geplant)
- FHIR (Datenformat für maschinenlesbare Rechnungen)
- SMC-B (Authentisierung der Leistungserbringer)
- Gesundheits-ID (Authentisierung der Patienten)
- TA1 (Vergleich: GKV-Abrechnungsformat für Apotheken)
- PKV (Zielgruppe: Privatversicherte als Empfänger der Erstattung)
- GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte, die mit DiPaG abgerechnet wird)