ECC-Migration
Die ECC-Migration bezeichnet die TI-weite Umstellung der kryptografischen Algorithmen von RSA auf Elliptic Curve Cryptography (ECC) in der Telematikinfrastruktur.
Erklärt für Einsteiger
Stell dir vor, du hast ein Schloss, das schon älter ist und theoretisch mit einem sehr leistungsstarken Computer geknackt werden könnte. Die ECC-Migration ist wie der Austausch aller alten Schlösser gegen neue, modernere Schlösser, die schwerer zu knacken sind, aber auch noch kleiner und leichter sind. In der Telematikinfrastruktur bedeutet das: Alle Chipkarten, Konnektoren und Zertifikate, die bisher das ältere RSA-Verfahren nutzten, müssen auf das modernere ECC-Verfahren umgestellt werden.
Überblick
RSA (Rivest-Shamir-Adleman) war über Jahrzehnte der Standardalgorithmus für asymmetrische Kryptografie in der TI. ECC (Elliptic Curve Cryptography) bietet bei kürzeren Schlüsseln ein höheres Sicherheitsniveau und reduziert Rechenaufwand sowie Speicherbedarf. Die BSI-Technischen Richtlinien (TR-03116, TR-02102) empfehlen ECC seit Jahren als bevorzugten Algorithmus.
Seit 1. Januar 2026 haben RSA-only-Konnektoren keinen TI-Zugang mehr. Alle neu ausgestellten Zertifikate für Karten und Komponenten sind ECC-basiert. Die Migration betrifft fünf Komponenten der TI gleichzeitig:
- Konnektoren (Hardware-Zugangspunkte)
- Primärsysteme und KIM-Clientmodule (PVS, KIS, AVS)
- Heilberufsausweise (HBA)
- Institutionelle Karten (SMC-B)
- Kartenterminal-Gerätekarten (gSMC-KT)
Interesse compliance
Fristen im Überblick:
- 1. Januar 2026: RSA-only-Konnektoren verlieren den TI-Zugang. Keine Ausnahmen.
- 30. Juni 2026: HBA Generation 2.0 (RSA) und SMC-B Generation 2.0 (RSA) müssen gegen ECC-Karten ausgetauscht sein.
- 1. Juli 2026: RSA (1900-3000 Bit) wird auch für QES und nonQES-Anwendungen verboten.
- 31. Dezember 2026: gSMC-KT Generation 2.0 muss gegen Generation 2.1 (ECC) getauscht werden.
Praxen und Apotheken: Konnektor-Firmware prüfen oder auf TI-Gateway wechseln. Karten über die zuständige Landesärztekammer oder Apothekerkammer neu beantragen.
Technische Details
Warum ECC statt RSA?
| Merkmal | RSA 2048 | ECC 256 (brainpoolP256r1) |
|---|---|---|
| Schlüssellänge | 2048 Bit | 256 Bit |
| Sicherheitsniveau | ca. 112 Bit | ca. 128 Bit |
| Rechenaufwand | Hoch | Gering |
| Zukunftssicherheit | Begrenzt | Besser (Quantencomputer-Resistenz: noch nicht gegeben, aber besser) |
ECC-Kurven in der TI: brainpoolP256r1 und brainpoolP384r1 (gemäß BSI TR-03116).
Betroffene Komponenten im Detail
Konnektoren
Seit 1. Januar 2026 sind RSA-only-Konnektoren von der TI ausgeschlossen. Die eingebaute gSMC-K (Gerätekarte des Konnektors) musste auf Generation G2.1 (ECC) umgestellt sein. Konnektoren, die ECC-Verschlüsselung unterstützen, benötigen in der Regel ein Firmware-Update. RISE hat am 11. Februar 2026 die Firmware-Version 6.1.3:1.0.0 mit ECC-Preferred-Feature freigegeben. Einige ältere Konnektor-Modelle laufen technisch aus und können nicht auf ECC aufgerüstet werden. In diesem Fall ist der Wechsel auf den Highspeed-Konnektor oder das TI-Gateway erforderlich.
Heilberufsausweise (HBA) und SMC-B
HBA G2.0 und SMC-B G2.0 enthalten RSA-Zertifikate. Sie sind bis 30. Juni 2026 gültig. Danach verlieren sie den TI-Zugang für QES und nonQES-Anwendungen. Neue Karten (HBA G2.1, SMC-B G2.1) enthalten ECC-Zertifikate. Beantragung läuft über die zuständige Kammer.
gSMC-KT (Kartenterminal-Gerätekarten)
gSMC-KT G2.0 müssen bis 31. Dezember 2026 gegen G2.1 getauscht werden. Kompatible Kartenterminal-Versionen für das ECC-Preferred-Feature: Cherry ST1506 4.0.47, Worldline ORGA 6100 3.9.2, JDM 1.1.20.
ECC-Testwochen Q1/2026
Die gematik führte vom 16. Februar bis 19. März 2026 ECC-Testwochen durch:
- 16. Februar 2026: RSA-Abschaltung für QES/nonQES im Test
- 16.-17. Februar 2026: Quickcheck-Phase
- 18. Februar - 19. März 2026: ECC-only-Testphase
- 20. März 2026: RSA-Reaktivierung im Test
Interesse technik
Kurven: brainpoolP256r1 und brainpoolP384r1 nach BSI TR-03116. ECC-Preferred-Feature im RISE Konnektor (Firmware 6.1.3:1.0.0): ermöglicht schrittweise RSA-ECC-Migration, bevor alle Kartenterminals vollständig aktualisiert sind. Einschränkung: IBM- und Akquinet-KIM-Clientmodule unterstützen Brainpool-Kurven noch nicht vollständig. Spezifikationen: PKI-Konzept gemKPT_PKI_TIP der gematik, BSI TR-03116 für TI-Anforderungen, BSI TR-02102 für Algorithmenempfehlungen.
Auswirkungen auf die TI-PKI
Die PKI der TI akzeptiert seit 1. Januar 2026 keine neuen RSA-Zertifikate mehr. Die TSL (Trust Service List) und der OCSP-Dienst wurden entsprechend aktualisiert. Bestehende RSA-Zertifikate bleiben bis zu ihrer jeweiligen Ablaufzeit gültig (letzte Frist: 31. Dezember 2026 für gSMC-KT).
Verknüpfungen
- PKI (Zertifikatsinfrastruktur der TI; betroffen von der ECC-Migration)
- Konnektoren (Zugangspunkte zur TI; RSA-only-Modelle seit Januar 2026 ausgesperrt)
- HBA (Heilberufsausweis; G2.0 bis 30. Juni 2026 tauschpflichtig)
- SMC-B (Institutionskarte; G2.0 bis 30. Juni 2026 tauschpflichtig)
- gSMC-KT (Kartenterminal-Gerätekarte; G2.0 bis 31. Dezember 2026 tauschpflichtig)
- TSL (Trust Service List; enthält ECC-Sub-CAs)
- OCSP (Zertifikatsprüfung; akzeptiert seit 2026 nur noch ECC-Zertifikate für neue Ausstellungen)
- QES (Qualifizierte Signatur; erfordert HBA mit ECC-Zertifikat)
- BSI (gibt Algorithmenempfehlungen vor: TR-03116, TR-02102)
- gematik (koordiniert die Migration; betreibt Root-CA und TSL)
- TI-Gateway (Cloud-Konnektor-Nachfolger; ECC nativ)
- Kartenterminal (muss kompatible Firmware-Version haben)
- Highspeed-Konnektor (Alternative für Einrichtungen, die Konnektor ersetzen müssen)
- Telematikinfrastruktur (Gesamtsystem der Migration)